Wölsi

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Der heilige König Olaf erfuhr, dass die Leute auf einem abgelegenen Hof im Nordlande noch heidnischen Brauch übten. Als sein Schiff einmal dort in der Nähe angelegt, nahm er zwei seiner vertrauten Mannen, den Norweger Finn Arnason und den isländischen Skald Thormod, mit sich: sie gingen, alle drei in unscheinbarer Verkleidung, nach dem Hofe hin. Dort nannten sie sich alle drei Grim und setzten sich mit den Hausgenossen – Bauer und Bäuerin, Sohn und Tochter, Knecht und Magd – zum Essen. Die Bäuerin trug in einem Leintuch den Wölsi herein; das war das Glied des Lasthengstes, das sie nach dem Schlachten im Herbst aufgehoben und Durch Kräuter vor dem Faulen geschützt hatte: allabendlich hatte ihm die Familie ihre Verehrung bezeigt. Die Bäuerin nahm den Wölsi aus dem Tuche, legte ihn dem Bauer in den Schoß und sprach:

|<poem> 1 Gehegt bist du, Wölsi, und gehütet wohl, in Linnen gehüllt und mit Lauch gestärkt. Nimm an, Mörnir, die Opfergabe! Hier nun, Bauer, nimm hin den Wölsi! Den Bauer ließ das ziemlich gleichgültig; er nahm ihn jedoch und sprach:

2 Nicht weiter würde, wenn mein Wunsch geölt, dieses Opfer abends gebracht. Nimm an, Mörnir, die Opfergabe! Sohn des Bauern, sieh den Wölsi! Der Bernsohn ergriff den Wölsi und hob ihn hoch; er schwenkte ihn seiner Schwester zu und sprach:

3 Bringt den Stößel vor Brautjungfern! Die sollen abends ihn anfeuchten. Nimm an, Mörnir, die Opfergabe! Du Haustochter, nimm hin den Wölsi! Ihr behagte das recht wenig; sie musste sich aber doch der Haussitte fügen, fasste ihn ganz zaghaft an und sprach:

4 Das schwör ich bei Gefjon und den Göttern allen: ich fasse den roten Rüssel nicht gern. Nimm an, Mörnir, die Opfergabe! Knecht meiner Eltern, nimm an den Wölsi! Der Knecht ergriff ihn und sprach:

5 Ein Brot däuchte viel besser mich als dieser Wölsi an Werktagen. Nimm an, Mörnir, die Opfergabe! Dienstmagd des ofs, drücke den Wölsi! Die Magd fasste ihn sehr zärtlich, drückte ihn an sich, tätschelte ihn und sprach:

6 Nicht wollt ich mich dawider sperren, lägen wir zwei zur Lust vereint. Nimm an, Mörnir, die Opfergabe! Grim, unser Gast, ergreif den Wölsi! Finn nahm ihn und hielt ihn vor sich; darauf sprach er:

7 Ich lag far oft vor Landzungen, zog behände hoch das Segel. Nimm an, Mörnir, die Opfergabe! Grim, Genosse, ergreif den Wölsi! Er gab ihn darauf Thormod; der nahm ihn und sah sich sehr genau an, wie der Wölsi gestaltet war; darauf lächelte er und sprach:

8 Nie sah ich zuvor, ob fern ich zog, solch Gebilde über Bänke wandern. Nimm an, Mörnir, die Opfergabe! Du, Hauptgrim, auch nimm hin den Wölsi! Der König nahm ihn und sprach:

9 Steuerer war ich und Stevenhauptmann und Anführer alles Volkes. Nimm an, Mörnir, die Opfergabe! Hund des Hauses, hüte das Opfer! Damit warf er ihn auf den Fußboden hin; der Hund aber packte ihn sofort. Aber als die Alte das sah, flog alles an ihr; sie brauste mächtig auf und sprach:

10 Wer ist der Mann, mir unbekannt, der Hunden gibt heiliges Opfer? Durch Türritze schlüpf ich und Torangel, wüsst ich zu retten die Weihegabe.

11 Leg dich, Lärir, lass mich ihn nehmen! Verschling ihn nicht, schändliches Vieh! </poem>| Da warf der König seien Verkleidung ab, und sie erkannten ihn. Er lehrte sie darauf den rechten Glauben, und mit Gottes Gnade nahmen sie ihn an, und der König ließ sie durch Hofpfaffen taufen.